Podesttraining beim Pferd beginnen – Anleitung für die ersten Schritte
- Anne Reindl

- 22. Feb.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Aug.

Podesttraining sieht von außen oft ziemlich simpel aus.
Podest hinstellen.
Pferd hinführen.
Drauftreten lassen.
Fertig.
In der Realität läuft das selten so geradlinig.
Und ganz ehrlich: Warum sollte es auch?
Wir Menschen sehen ein Podest und denken automatisch:
„Ah, da steigt man drauf.“
Ein Pferd sieht ein Podest – und denkt erst einmal… gar nichts in diese Richtung.
Warum ein Pferd nicht automatisch aufs Podest steigt
Für uns ist eine erhöhte Fläche eindeutig.
Hoch → draufsteigen.
Diese Verbindung ist gelernt.
Ein Pferd hat diese Verknüpfung nicht automatisch im Kopf.
Ein Podest ist aus Pferdesicht zunächst:
ein neues Objekt
möglicherweise instabil
ein Element im Raum
etwas, das man sicherheitshalber überprüft
Die Idee „Ich hebe bewusst meinen Fuß und stelle ihn hier drauf“ existiert nicht einfach so.
Das zeigt sich übrigens nicht nur beim Podest.
Bei Stangen dachte ich lange: Stange am Boden → Pferd hebt die Füße.
Loki hatte dazu eine andere Theorie.
Er war eher Team Dampfwalze.... Stange?
Drüber.
Dagegen.
Darauf.
Völlig egal.
Hütchen, Fass, Podest – wir haben zuverlässig alles umgemäht, weggeschoben, zertrampelt... Da legt er eine Kreativität an den Tag, die ihresgleichen sucht - ich feiere ihn deswegen und es zerreißt mich manchmal nebenbei innerlich vor lachen, wenn ich erkenne, wie viele Möglichkeiten es gibt, ein Hindernis einfach völlig zu ignorieren...
Nicht aus Trotz.
Sondern weil ich ihm die Bewegungsaufgabe nie richtig erklärt habe.
Erst als wir begonnen haben, Stangen wirklich kleinschrittig zu erarbeiten – anhalten, hinschnüffeln lassen, Nase tief, bewusst einen einzelnen Schritt setzen – entstand Verständnis.
Und genau das gilt auch für das Podest.
Podesttraining vorbereiten: Das Podest richtig kennenlernen lassen
Bevor wir überhaupt anfangen, etwas vom Pferd zu wollen, darf das Podest einfach nur da sein.
Je nach Pferdetyp reicht es völlig, es kommentarlos in den Platz zu stellen und normal weiterzuarbeiten.
Und hier passiert etwas ziemlich Cooles:
Fast jedes Pferd geht irgendwann von selbst hin.
Es wird beschnüffelt.
Es wird umrundet.
Manchmal vorsichtig mit der Nase getestet.
Neugier ist ein starkes Motivationssystem.
Das Pferd klärt für sich:
Bewegt sich das?
Ist es stabil?
Ist es gefährlich?
Ist mein Mensch entspannt?
Erst wenn diese Fragen innerlich beantwortet sind, entsteht Ruhe.
Und Ruhe ist die Basis für Lernen.
Voraussetzungen für erfolgreiches Podesttraining
Bevor ein Pferd sicher auf ein Podest treten kann, sollte es lernen, einen einzelnen Vorderfuß gezielt anzuheben.
Nicht hektisch.
Nicht zufällig.
Nicht weil wir ihn hochziehen.
Sondern auf ein klares Signal hin.
Das bedeutet:
Signal ankündigen
Fuß hebt sich bewusst
kontrolliertes Absetzen
ruhiger Körper
Wenn der Mensch den Huf mechanisch auf das Podest setzt, übernimmt der Mensch die Bewegung. Das kann zu Beginn manchmal helfen, wenn längere Zeit so gar keine Idee des Pferdes entsteht, wie die Aufgabe zu werten ist.
Für echte Körperwahrnehmung braucht es jedoch Eigeninitiative.
Erst wenn klar ist:„Wenn dieses Signal kommt, bewege ich meinen Fuß“,
wird das Podest zu einer logischen Erweiterung.
Pferd den Fuß heben beibringen – praktische Anleitung
Das klingt einfach.
Ist es oft nicht.
Ich stand selbst da und dachte:
„Okay… und jetzt heb mal bitte deinen Fuß.“
Bei Loki war ein sanftes Abstreifen mit einer dünnen Gerte komplett wirkungslos.
Null Reaktion.
Ich hätte auch mit dem Ohr wackeln können – gleicher Effekt.
Er stand einfach da - unsere Königsdisziplin!
Er verschiebt jede Körperzone sauber, reagiert fein auf Körpersprache – aber nur die Füße hatten wir bis dahin nie gezielt angesprochen.
Erst als ich einen stabileren Arbeitsstick genommen habe und das Signal klarer gesetzt habe – also wirklich spürbar, nicht aggressiv, aber eindeutig – entstand überhaupt eine Reaktion.
Manchmal hilft es, entlang des Beins verschiedene Punkte auszuprobieren:
weiter unten am Röhrbein
etwas höher
leicht klopfend statt streichend
Oft gibt es eine Stelle, an der das Pferd erstmals registriert:
„Ah, hier soll ich reagieren.“
Und genau diesen ersten Ansatz bestätigen wir sofort.
Das kann sein durch:
ein verbales Lob
ein bekanntes Stimmsignal
sofortiges Nachlassen des Drucks
leichte Unterstützung am Halfter
Wichtig ist das Timing.
Nicht erst der perfekte, hoch angehobene Fuß wird bestätigt –sondern der erste Gedanke in die richtige Richtung.
Deutliches Signal im Podesttraining – was bedeutet das?
Ein Signal darf deutlich sein.
Deutlich bedeutet: Das Pferd nimmt es wahr und kann darauf reagieren.
Es bedeutet nicht:
dauerhaftes Klopfen ohne Effekt
Frust
Härte
Wenn ein sehr leichtes Signal nicht verstanden wird, ist es nicht automatisch „feiner“, daran festzuhalten.
Es ist zunächst nur unverständlich.
Ziel ist Verständlichkeit.
Sobald das Pferd begriffen hat, was gemeint ist, wird das Signal automatisch feiner.
Erste Schritte aufs Podest – Schritt-für-Schritt erklärt
Ist das Podest vertraut und die Fußarbeit vorbereitet, beginnt der eigentliche Aufbau.
Ruhige Annäherung.
Anhalten vor dem Podest.
Signal zum Anheben eines Vorderfußes.
Der Huf bewegt sich Richtung Podest.
Erste Berührung genügt.
Es muss am Anfang nicht sofort ein vollständiges Draufstellen sein.
Ein bewusstes Platzieren ist wichtiger als ein schneller Erfolg.
Zeigt das Pferd:
ruhige Atmung
stabile Körperspannung
kein hektisches Ausweichen
kann der Huf vollständig aufgesetzt werden.
Erst danach folgt – wenn alles entspannt bleibt – der zweite Vorderfuß.
Nicht Geschwindigkeit ist das Ziel.
Sondern Klarheit.
Welches Podest eignet sich für das Training?
Gerade in den ersten Trainingseinheiten ist Stabilität entscheidend.
Ein Podest sollte:
standfest sein
nicht wippen
eine rutschfeste Oberfläche besitzen
eine klar erkennbare Trittfläche bieten
von allen Seiten zugänglich sein, damit insbesondere unerfahrene Pferde selbstständig und ohne Einengung an das Podest herantreten können
Wenn das Material Sicherheit vermittelt, kann sich das Pferd auf die Bewegung konzentrieren – statt auf Balanceprobleme.
Unsere Podeste sind genau mit diesem Gedanken entwickelt worden:
stabil, ruhig, klar definiert – damit Training nicht am Material scheitert.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Jedes Pferd ist anders – kein Schema F im Podesttraining
So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch Pferde.
Loki war eher Typ „Dampfwalze“ – robust, wenig beeindruckt, klarer in der Ansprache nötig.
Ein zartes Abstreifen hätte ihn nicht einmal gedanklich erreicht.
Nacho, ein junger Haflinger und Herdenbuddy von Loki, ist vom Typ her komplett anders.
Fein, sensibel, sofort aufmerksam.
Ein leichtes Signal reicht – und er überlegt bereits, was gemeint sein könnte.
Beide Herangehensweisen sind nicht richtig oder falsch.
Sie sind angepasst.
Genau deshalb gibt es im Podesttraining kein Schema F.
Manche Pferde brauchen klarere, deutlichere Signale.
Andere reagieren auf minimale Impulse.
Manche sind neugierig und probieren sofort aus.
Andere brauchen mehr Zeit zum Beobachten.
Wichtig ist nicht, eine Methode zu kopieren.
Wichtig ist, das eigene Pferd zu lesen.
Training beginnt mit Wahrnehmung – nicht mit Technik.
Verantwortung, Sicherheit und eigene Einschätzung
Podesttraining ist eine sinnvolle und strukturierte Form der Bodenarbeit – ersetzt aber weder gesunden Menschenverstand noch eine realistische Selbsteinschätzung.
Jeder Mensch trägt die Verantwortung für sein eigenes Training und sein eigenes Pferd.
Nicht jedes Pferd ist sofort bereit für neue Bewegungsaufgaben.Nicht jeder Trainingsstand erlaubt dieselben Schritte.Und nicht jede Situation ist sicher.
Bitte arbeite nur in einem sicheren Umfeld, mit geeignetem Material und innerhalb deiner eigenen Fähigkeiten.
Dieser Artikel beschreibt unsere Erfahrungen und unseren Trainingsansatz.
Er ist keine starre Anleitung, die unabhängig vom individuellen Pferdetyp umgesetzt werden sollte.
Kein Druck.
Kein Erzwingen.
Keine Gewalt.
Wenn Unsicherheit besteht – fachliche Unterstützung hinzuziehen.
Gutes Training entsteht durch Anpassung, Beobachtung und Verantwortung.
Fazit: Podesttraining als sinnvolle Basisarbeit
Die ersten Schritte auf ein Podest sind keine Showübung.
Sie sind eine koordinative Lernaufgabe.
Ein Pferd versteht eine Bewegung nicht, weil wir sie logisch finden.
Es versteht sie, weil wir sie nachvollziehbar aufbauen.
Und manchmal hilft es, sich daran zu erinnern:
Nur weil wir „draufsteigen“ denken, denkt das Pferd noch lange nicht dasselbe.
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